Künstler & Produktionen

Maryam Palizban

Xander Seren

Lana Hansen

Aleksi Perälä

Projekte

Gaia

GAIA

Lilibeth Cuenca Rasmussen entwickelt im Rahmen von NORDWIND ein aus Stoff bestehendes, schwebendes Bühnenbild, das sich in einem Zustand zwischen Stillstand und Bewegung befindet. Den Performer*innen dient es als Kostüm, Klangkörper und Bühnenbild und ist zugleich Mittel des Rückzugs und der Verkleidung, aber auch Ausdruck von Anfang, Ende, Aus- und Eingang, Ursprung und Auflösung und der Flüchtigkeit von Erscheinungsformen. Gemeinsam mit dem Lydenskab Ensemble für klassische Musik bespielen Rasmussen und ihre Performer*innen das schwebende Bühnenbild, bis es selbst zur Mitspielerin wird: scheinbar reglos, dann schwingend und nicht aufzuhalten.

Athi-Patra Ruga

MINO

Michèle Magema wandert durch eine Berg- und Schneelandschaft und folgt in ihrer Performance den Spuren von Seh-Dong-Hong-Beh, der Anführerin der Dahomey Amazonen, auch Mino genannt, nach. Im 19. Jh. waren die Mino organisiert in einer Frauenarmee und haben den König von Dahomey (heutiges Benin) gegen die französische Kolonialmacht verteidigt. In der Zusammensetzung des Recherchematerials verknüpft Magema Fragen nach kolonialer Vergangenheit und ihren Auswirkungen auf die Gegenwart und spannt einen Bogen über die schmelzenden Berge Grönlands hin zu den Sanddünen der Sahelzone. Die Extreme verbindend schafft sie einen Raum zwischen Wüste und Eis, Vergangenheit und Gegenwart, Utopie und Realität, in dem die Vorstellung einer anderen Form von Gemeinschaft möglich wird. 

Gaia

ELECTRODOMESTICS

Für ihre Performance Electrodomestics gründeten Constanza Macras und Adham Hafez ein Kollektiv für 'inländische Angelegenheiten'. In einer lebhaften und inspirierenden Mischung aus Kochshow, Konzert, Performance, Expert*innengespräch und Tanz untersucht die Gruppe die Begriffe der Herkunft und Identität. Ausgehend von den persönlichen Freund*innen- und Familienkreisen der Performer*innen über ihr soziales Umfeld, verhandelt die Gruppe Phänomene wie Kollektivität und Nationalität. Das Publikum kocht, isst und diskutiert mit und wird so auf die eigenen Grenzen und Stigmata, aber auch unvorhergesehene Offenheiten gestoßen. Die Grenzen zwischen Performer*innen und Zuschauer*innen verschwimmen und gemeinsam wird ein Raum des Austausches, der Gemeinsamkeit und des spontanen, kreativen Ausbruchs geöffnet.

Athi-Patra Ruga

BETWEEN US: THE KAUNDA SUIT / CHAPTER [EXCERPT II]

In ihrer Performance Between Us stellt Syowia Kyambi die Frage, inwiefern Kleidung eine Identität schafft bzw. wie sich gesellschaftliche Rollen durch Kleidungsstücke transformieren lassen. Ausgehend von dem Kaunda suit, einem Anzug, der in Kenia zur Zeit der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung als Prestigesymbol galt und jetzt von Servicekräften getragen wird, nähert sich die Künstlerin über verschiedene Kostüme den jeweiligen gesellschaftlichen Zuschreibungen und Erwartungshaltungen. Wie sehr ist Kleidung als Ausdruck von Nationalitäten, Geschlechtern und Status zu lesen? Welche persönlichen Eigenschaften werden mittels der Kleidung betont oder kaschiert? Im Raum installierte Spiegel werfen die Fragen auf das Publikum zurück und verorten es in einer Schnittstelle zwischen Voyeurismus und Partizipation. 

Gaia

THE BEATIFICATION OF FERAL BENGA

Athi-Patra Ruga wird in seiner Performance The BEATification of Feral Benga die Anrufung des Kabarettkünstlers und Tänzers Feral Benga vollziehen, der sich selbst als das männliche Gegenstück zu Josephine Baker verstand. In einer Verschneidung von Bildern des Cabaret Nègre aus Berlin in den zwanziger Jahren und Darstellungen der beiden Tänzer*innen soll der Frage, auf welche Bilder sich Nationen und Nationalismus berufen und wie Identitäten konstruiert werden, kritisch nachgegangen werden. In einem Fest, das zwischen Exotisierung, dessen Parodie und Ekstase changiert, wird Ruga gemeinsam mit dem Künstler Angel-Ho beide Tänzer*innen in sich vereinen und in einem Ritual voll dystopischer Energie und abgründiger Kraft das Publikum an einem Tanz teilnehmen lassen, dessen Sog es sich nicht entziehen kann. 

Athi-Patra Ruga

MORMOR - THE RESURRECTION

Sechs Jahre nach ihrem Tod erwacht Markus Öhrn als seine Großmutter Eva – Britt wieder. „MorMor – The Resurrection“ ist eine Black Metal/Noise/Performance/Installation, die speziell für das alte Krematorium im Silent Green in Berlin Wedding kreiert wurde. Aufbauend auf seinem Projekt „Azdora“ führt Markus Öhrn seine Arbeit weiter, in der er sich mit seiner Großmutter auseinandersetzt. „MorMor – The Resurrection“ wird erstmals und einmalig im Zuge von NORDWIND in Berlin gezeigt.

Athi-Patra Ruga

GULA

Im Rahmen vom NORDWIND Festival 2017 zeigt Vincent Sekwati Koko Mantsoe seine zweite von ihm entwickelte Soloperformance: Gula (Vogel). Vögel als Faszinosum: Sie können fliegen, kommunizieren mit ihren Körpern, halten in der Luft stehend dem Wind stand und kommunizieren über Harmonien – präzise und rastlos. Mantsoe spürt den Bewegungen der Vögel nach und kreiert ein faszinierendes Tanzstück zwischen Breakdance, Ballett und traditionellem afrikanischen Tanz, das die Schwerkraft aufhebt. 

Die Arbeiten Je(u) von Laurent Chétouane und Gula von Vincent Sekwati Koko Mantsoe werden im Rahmen von NORDWIND erstmals gegenübergestellt und lassen sich als eine Spiegelung von Tanztraditionen im afrikanischen und europäischen Raum verstehen.

Athi-Patra Ruga

JE(U)

 Ist es möglich im Tanz den Körper und die Bewegung gleichzeitig so zu erleben, dass die Bewegung nicht mehr den Körper unterdrückt, versteckt, sogar leugnet zugunsten des zweidimensionalen visuellen Reizes? Sondern vielmehr umgekehrt ihm seine Schwere, seine Materialität zurückschenkt, sodass der Körper sowohl für den Tänzer als auch für das Publikum gleichzeitig erlebbar wird? Mit Je(u) entwickelt Laurent Chétouane gemeinsam mit dem schwedischen Tänzer Mikael Marklund ein Spiel mit sich selbst in der eigenen Fremdheit, ein ernstes Spiel mit dem Fall(en) aus der Vertikalität des Bildes und ein vielleicht melancholisches Spiel mit dem Ich des Spiegels,
das am Boden liegt
: eine Erfahrung der Zeit.

Die Arbeiten Je(u) von Laurent Chétouane und Gula von Vincent Sekwati Koko Mantsoe werden im Rahmen von NORDWIND erstmals gegenübergestellt und lassen sich als eine Spiegelung von Tanztraditionen im afrikanischen und europäischen Raum verstehen.

Gaia

WHEN YOUR REFLECTION SPEAKS

Ausgehend von der Geschichte der Inuit, deren Angehörige im 18. Jahrhundert zur Zurschaustellung nach Europa verschleppt wurden, geht Laakkuluk Williamson Bathory den Spuren ihrer Vorfahren nach und verknüpft sie mit gegenwärtigen Fragen: Was bedeutet es, in eine Rolle gezwungen zu werden? Wie sehr berufen sich Kulturen auf festgeschriebene Bilder? Wie lassen sich diese Bilder verändern, verzerren und übermalen? Durch die Kombination des traditionellen grönländischen Maskentanzes uaajeerneq mit zeitgenössischer Videokunst setzt sie in ihrer Performance Traditionen einem postkolonialen Blick aus. In einer kraftvollen Performance zwischen Tanz, Text, Video und orchestraler Musik schafft sie einen Raum, der sowohl eine Atmosphäre der Ironie und des Übermuts, aber auch der Gewalt und der Angst vermittelt.

Gaia

ANAHÍ'S ROOM

Für Anahí’s Room hat sich die Filmkünstlerin Ivalo Frank in Zusammenarbeit mit fünf Tänzer*innen dem Themenfeld des Kindesmissbrauchs genähert. Basierend auf Gedichten Jessie Kleemanns, verkörpern die Tänzer*innen zwischenmenschliche Machtbeziehungen, das Einschreiben von Erinnerungen in den Körper und das Auslösen von Begehren gegen den eigenen Willen. Sensibel und trotzdem gewaltvoll wird den Grenzen des eigenen Körpers nachgespürt, bis sich dieser durch die machtvolle Übernahme eines anderen Körpers selbst verliert. Die Performance Anahí’s Room, ursprünglich für einen Performancefilm entwickelt, wird im Rahmen von NORDWIND erstmals live aufgeführt.

Gaia

STILL / LIFE

Qudus Onikeku ist gegenwärtig einer der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen, afrikanischen Tanzes. In seinen Arbeiten setzt sich der nigerianische Tänzer und Choreograf immer wieder mit der Suche nach einem »zeitgenössischen Afrika« auseinander sowie mit Kolonialismus, Hegemonie, Machtverhältnissen und Migration. Immer wieder thematisiert er auch die gesellschaftlichen Stigmata, denen der menschliche Körper aufgrund von Sexualität, Geschlecht und Hautfarbe unterworfen ist. Seine Arbeit STILL/LIFE war eine Auftragsarbeit für das Festival D’Avignon und wurde 2011 dort uraufgeführt. STILL/LIFE ist der Versuch, zwei Seiten der Medaille simultan abzubilden; die Gegensätze und Widersprüche der menschlichen Existenz zu offenbaren und die Schizophrenie der Welt zu spiegeln. Es ist eine Geschichte von Hochmut und Fall, ein Versuch, die Extreme zu versöhnen; eine Einladung, Tränen zu vergießen – mit dem Funken Hoffnung, dass zukünftige Generationen Gerechtigkeit aus Armut, Liebe aus Leid und Frieden aus Elend erlernen können. STILL/LIFE ist ein beeindruckend kollektives Stück, das Tanz, Akrobatik, Musik, Poesie, Video und Visuelle Kunst mit großer Virtuosität verschränkt.

In Kooperation mit Nordwind entwickeln Qudus Onikeku und die isländische Regisseurin Arnbjörg María Danielsen zur Zeit die Arbeit ALL THE DAYS OF OUR LIVES. Nach einer gemeinsamen Residenz in Grönland sprechen sie zum Festival-Einstieg über das Verhältnis von Nord und Süd, über Kolonialismus und Migration damals und heute und über ihre Zusammenarbeit.

Athi-Patra Ruga

BLACKOUT

Gemeinsam mit den grönländischen Musikern Josef Tarrak Petrussen, Da Bartali Crew, Peand-eL und Nick Ørbæk Jacobsen
hat die Performerin Nuka Bisgaard für NORDWIND eine Klangperformance voll düsterer Energie und schrägem Pop entwickelt. Die Künstler*innen, die sowohl aus der Hip Hop Szene, RNB, dem Soul als auch aus der elektronischen DJ-Szene kommen, kreieren eine Musikcollage, die zwischen traditionellem grönländischen Maskentanz, Drag Performance; Trashparty und Miniplaybackshow changiert. 

Für Nordwind sind die Künstler*innen von Blackout Artist in Residence und performen in verschiedenen Konstellationen über den gesamten Festivalzeitraum hinweg. Das Projekt Blackout findet im Rahmen des Projekts Willem de Rooij and Lucy Skaer statt und wird gefördert durch Mittel der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin. Mit freundlicher Unterstützung und in Kooperation der KW Institute for Contemporary Art.

Gaia

JIMI TENOR UND KABU KABU

Gemeinsam mit der westafrikanischen Gruppe Kabu Kabu entwickelte der finnische, weltweit berühmte Musiker Jimi Tenor seit 2006 eine musikalische Mischung, die sich zwischen Afro-Beat und Jazz bewegt. Das 2012 veröffentlichte Album 'Mystery of Aether' stellt bereits das fünfte gemeinsame Album der Musiker dar. Im Rahmen von NORDWIND werden Jimi Tenor und Kabu Kabu ihre Musik dem Berliner Publikum präsentieren: energiegeladen, humorvoll und tanzbar. Das Konzert findet in Kooperation mit dem XJAZZ Festival statt.

Am 09.11.17 wird Athi-Patra Ruga mit Jimi Tenor und KabuKabu in einer Jamsession gemeinsam improvisieren.

Athi-Patra Ruga

DJ CAMBEL NOMI & JOSEF TARRAK PETRUSSEN, DA BARTALI CREW, PEAND-EL, NICK ØRBAEK JACOBSEN

Im Anschluss an die Performance 'MorMor' von Markus Öhrn werden wir ein großes Abschlussevent veranstalten, bei dem die Musiker*innen von Blackout Josef Tarrak Petrussen, Da Bartali Crew, Peand-eL und Nick Ørbæk Jacobsen gemeinsam mit DJ Cambel Nomi, der Queen of Afrobeat in einer inspirierenden und kraftvollen Fusion einen Soundteppich aus afrikanischen und arktischen Klängen kreieren, sodass die Besucher*innen tanzend gemeinsam mit den Künstler*innen das Festival ausklingen lassen können.

DJ Cambel Nomi ist eine Djane aus Deutschland mit ghanaischen Hintergrund, ihre Musik changiert zwischen House, Afrohouse, Afrobeats gemischt Hip Hop, Electro und RnB. Josef Tarrak Petrusson, Nick Ørbæk Jacobsen, da Bartali Crew und Peand-eL sind Artist in Residence für NORDWIND. Peand-eL hat den grönländischen Koda Preis gewonnen.

Sa. 11.11.17 /23:00 Uhr / Silent Green

Gaia

ESKIMO DIVA

Der revolutionäre Dokumentarfilm Eskimo Diva begleitet die Drag Queen Nuka aus Nuuk und ihren besten Freund Lu, einen DJ für elektronische Musik auf der Tour ihrer Dragshow durch fernab gelegene Dörfer entlang der grönländischen Küste. Ihre Mission: Vorreiter*innen eines neuen, offenen und progressiven Grönlands zu verkörpern. Der Film wurde 2015 veröffentlicht, die Regie führte Lene Staehr aus Dänemark. 

Athi-Patra Ruga

NON-ORIENTABLE SURFACES

Das Symposium Non-Orientable Surfaces stellt sich im Rahmen von 'Songs of a melting iceberg – Displaced without moving' Fragen nach der Konstruktion von Identitäten, dem Kulturbegriff und dem physischen, wie mentalen Displacement. Vor dem Hintergrund eines Festivals, das künstlerische Stimmen aus nordischen Ländern und dem afrikanischen Kontinent zusammenbringt, sollen Zukunftsvisionen und Strategien der Dekolonialisierung entwickelt werden. Das Symposium untersucht kritisch Begriffe wie Kulturen, Nationalitäten und Identitätskonstruktionen, die durch 'race', 'gender' und 'class' kategorisiert werden und versucht, widerständige Denkbewegungen ohne ideologisierte Grundvoraussetzungen aufzuspüren. Hierbei sollen kolonialistische Denkmuster durchbrochen werden und neue Begriffe im Sinne einer offenen, nicht durch globale Machtpositionen stigmatisierten Sprache gefunden werden. Dabei geht es auch um die Selbstreflektion des Publikums und der Künstler*innen, das Diskutieren der eigenen Positionen und eine Hinterfragung des 'weißen', 'westlichen' Blicks.

Gaia

DOLASTALLAT

Dolastallat ist ein experimenteller Kurzfilm, der die Geschichte einer Sámi Frau erzählt, die sich in die Berge von Kola Peninsula, einer Halbinsel in Fennoskandinavien begibt. An einem Lagerfeuer hat sie eine unerwartete Begegnung. Der Film wird von der beeindruckenden Landschaft des arktischen Bergbaus gerahmt und stellt Referenzen zu alten samischen Mythen her. Des Weiteren lässt er sich als ein Portrait Helanders selbst begreifen.

Athi-Patra Ruga

CLOUD RESIDUE

Digitalisierung ist omnipräsent. Sie beeinflusst unsere Wahrnehmung von Realität, organisiert unser soziales Zusammenleben, schafft neue Identitäten und vernetzt Menschen über Grenzen und Kulturen hinweg. Sie überwacht unser Leben in allen Details. Obwohl das Internet häufig als Plattform der Wissensvermittlung beschrieben wird, haben die meisten Nutzer*innen kein Verständnis für seine technische Funktionsweise. In seiner Video- und Lectureperformance Cloud Residue taucht Remin unter die Oberfläche der nachvollziehbaren 'Cloud' des Internets und enthüllt Kontexte sowie die ökologischen Konsequenzen, die die Digitalisierung und deren fortschreitende Nutzung hat. Die Zuschauer*innen bewegen sich zwischen einer immersiven Mischung aus Videoscreenings, Licht und Sound. 

Gaia

ORIENT EXPRESS

1985 eröffnete der israelische Vater von Dafna Maimon das erste Falafel und Kebab Restaurant in Finnland, den 'Orient Express'. Situiert in einem Einkaufszentrum im Stadtzentrum von Helsinki, brachte es Finn*innen bisher unbekannte Geschmäcker aus dem Nahen Osten näher. Gleichzeitig beschäftigte ihr Vater viele Mitarbeiter*innen, die keine finnische Staatsbürgerschaft besaßen und ermöglichte ihnen durch die Arbeitsbescheinigung das nötige Dokument für den Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung, die für viele den Ausgangspunkt für ein neues Leben in Finnland darstellte. Vor einigen Jahren entdeckte Maimon ein hoch budgetiertes Werbevideo von 1986, das ihr Vater in Auftrag gab und welches mit der eigenen Exotisierung arbeitet, um den Kebab zu vermarkten. Ausgehend von diesem autobiografischen Material entwickelte Maimon eine performative Videoinstallation, die sich zwischen persönlichen Erinnerungen, Familiengeschichten und der Darstellung einer patriarchalen Gesellschaft bewegt. Im Rahmen des Symposiums wird Maimon am 11.11 den Werbefilm zeigen und dazu ein Gespräch mit dem Publikum über ihren Arbeitsprozess und über ihre Erfahrungen zwischen zwei Kulturen in einer patriarchalen, aber als liberal geltenden Gesellschaft aufzuwachsen, führen. In der Galerie Wedding wird sie die Werbesets und die Umgebung reinszenieren und ein bespielbares Terrain aufbauen, in dem sie gegenwärtige, eigene Erfahrungen mit den Materialien ihres Vaters verschneidet. Ihre Ausstellung wird am 16.11 in der Galerie Wedding eröffnet.

Mit Unterstützung des Finnland Institutes Berlin

Athi-Patra Ruga

MARTYR MUSEUM

Das Märtyrermuseum, das mit einer größeren Version der installativen Performance bereits in Kopenhagen 2016 zu sehen war, widmet sich im Rahmen von NORDWIND den Fragen, was ist ein*e Märtyrer*in, welche Personen sind berechtigt, sich als Märtyrer*in zu bezeichnen oder bezeichnet zu werden und welche Rolle spielt der*die Märtyrer*in in unserer gegenwärtigen Welt. Unsere Faszination für Held*innenfiguren ist kein neues Phänomen. Dennoch wundern wir uns nach wie vor, was Menschen dazu veranlasst, für eine Idee zu sterben. Sind die Märtyrer*innen von heute andere als früher? Und was bedeutet es, für seine Überzeugungen zu sterben? Die Ausstellung setzt sich mit den Taten, persönlichen Leben und Toden der Märtyrer*innen auseinander. Durch einen Audioguide wird das Publikum aufgefordert, die Ausstellung an Hand einer einzelnen Märtyrer*innengeschichte zu erlaufen und die spezifischen Hintergründe zu erfahren. Im Anschluss haben die Besucher*innen die Möglichkeit das Museum und die Ausstellungsstücke selbstständig zu besichtigen. Die Ausstellung des Künstler*innenkollektivs The Other Eye of the Tiger in Kooperation mit Sort/Hvid präsentiert unterschiedliche Personen, wie Saint Stephanus, Jeanne D’Arc, Jan Palach und Omar Ismail Mustafai, einer der Attentäter in Paris. Informativ und sachlich, würdigt die Ausstellung die Märtyrer*innen nicht, sondern beleuchtet unterschiedliche Aspekte, die Märtyrer*innen ausmachen und ermöglicht dem Publikum sich für einen Moment in sie hineinzuversetzen. Die Ausstellung wird von einem Diskursprogramm begleitet. 

 

Gaia

NUIT BLANCHE A OUAGADOUGOU

Auf einem öffentlichen Platz in einer Nacht in Ouagadougou. Das Land ist plötzlich erwacht und einige Menschen weigern sich, zu schlafen. Gemeinsam spielen sie die Ereignisse des Tages nach. Eine Abfolge von Selbstporträts entsteht. Nuit blanche à Ouagadougou ist inspiriert von sozialen Bewegungen, die in der jüngsten Vergangenheit Afrika erschüttert haben. Coulibaly findet mit seiner klaren politischen Position internationale Beachtung. Die Premiere der Performance fiel mit dem Volksaufstand gegen Präsident Blaise Compaoré im Oktober 2014 zusammen. Die Texte und Musik sind von Smockey, einem Protagonisten der Hip-Hop-Szene Westafrikas und Mitanführer der Bürgerbewegung 'Le balai citoyen', die das Regime Compaorés zu Fall brachte.

Gaia

LOST IN THE HORIZON

Die nordnorwegische Kleinstadt Kirkenes liegt nur 12 Kilomenter von der russischen und 50 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt. So wie Lampedusa die südlichste Schengen-Grenze ist, verläuft bei Kirkenes die nördlichste. In dieser Grenzregion arbeitet seit über 20 Jahren das Samovarteateret. 2016 begann das internationale Ensemble mit der Arbeit an einem Stück über genau dieses Thema: die Grenzen, die den Schengenraum definieren. Denn damit werden die Darsteller*innen quasi täglich konfrontiert. So wie beispielsweise im letzten Winter als sich vor den Fenstern ihres Theatergebäudes plötzlich ein erstaunliches Bild bot: Eine Gruppe Geflüchteter, die von der russischen Grenze nach Norwegen geschickt wurden, kämpfte sich in bunten Sommerkleidern auf Fahrrädern durch den Schnee. Das ist nur eine der Gegenbenheiten, die in 'Lost in the Horizon' mit Text, Tanz und Musik von vier Darsteller*innen aus Norwegen, Russland, Slowenien und Italien erzählt werden. Das Stück, das 2018 im Samovarteateret uraufgeführt wird, ist eine Auseinandersetzung mit Grenzen als Horizont für die einen und als Hindernis für die anderen. Auf Kampnagel berichten die Mitglieder des Samovarteateret über ihre künstlerische Arbeit in diesem entlegenen Winkel Nordeuropas. Alle Vorstellungen dort sind grundsätzlich mehrsprachig.

Gaia

JERADA

Für ihre erste Auftragsproduktion für die größte zeitgenössische Tanzcompany Norwegens lud Bouchra Ouizguen, die erfolgreichste Choreografin Marokkos, das gesamte Ensemble zu sich nach Hause ein. In Marrakesch teilten die norwegischen Tänzer*innen für mehrere Wochen Ouizguens künstlerischen Kosmos. Beim Clash der Kulturen stellte sich die Frage, wie aus vielen Einzelnen eine Gemeinschaft entsteht. Begleitet von energiegeladenen marokkanischen Männergesängen bewegen sich die Tänzer*innen in Formationen des Kreises, erst vereinzelt, dann wieder in kollektiver Ekstase, bis sie aufeinander prallen und die Gemeinschaft zerfällt. Bouchra Ouizguen war zuletzt mit ihrem außergewöhnlichen marokkanischen Frauensensemble zur Spielzeiteröffnung 2015 auf Kampnagel zu Gast, das das Publikum mit ihren Gesängen in eine Trance versetzte.

Gaia

QUEENS IN EXILE

In dieser Performance teilen sich der südafrikanische Modedesigner, Performer und Bildende Künstler Athi-Patra Ruga und die kanadische Sängerin Tanya Tagaq die Bühne. Tagaq – internationaler Pop-Star und gefeiert als »Inuit-Björk« – gibt durch Throat Singing, einer traditionellen, kanadischen Singform, der von Athi-Patra Ruga verkörperten Kunstfigur Versatile Queen Ivy eine Stimme. In seinen interdisziplinären Arbeiten zwischen Video, Tanz, Fotografie und Performance stellt Athi-Patra Ruga Identitätskonstruktionen in Frage, die eindeutig von Geschlecht, Nationalität und Sexualität bestimmt sind. Für NORDWIND arbeiten Athi-Patra Ruga und Tanya Tagaq erstmals zusammen und präsentieren Songs von Vertreibung und unerwiderter Liebe, die das Lebensgefühl einer Generation im Exil vertonen und eine musikalische Brücke schlagen zwischen dem kanadischen Throat Singing und den Obertongesängen (»Umngqokolo«) der Xhosa. Mit der Konzertperformance QUEENS IN EXILE feiern sie gemeinsam mit dem Musiker und Performer Angel-Ho ein dystopisches Ritual voll abgründiger Energie.

Gaia

Aleksi Perälä

Das Tonsystem, mit dem Aleksi Perälä seine Kompositionen generiert, hat es in sich. Der 1976 in Finnland geborene Musiker hat mit seinem Partner Grant Wilson eine Tonskala entwickelt, die über die klassischen Halbtonintervalle hinausgeht und stattdessen aus 128 Tonsequenzen besteht. Inspiriert durch seine Auseinandersetzung mit den Weltreligionen, Arbeiten des finnischen Elektro-Pioniers Erkki Kurenniemi und Aphex Twin entwirft Perälä experimentelle Klänge zwischen zwielichtigem Ambient, Erik-Satie-mäßigen Keyboardminiaturen, hypnotischem Acid und bassgewaltigem Techno. Neben Platten auf der Underground-Instanz Rephlex veröffentlichter Musik auf seinem eigenen AP-Label. Nach gefeierten Auftritten u.a. beim CTM Festival und dem Atonal, wird er am letzten Abend auch das Publikum des Nordwind-Festivals in ein unergründliches musikalisches Universum entführen. Als Support legt hinterher noch der Kraniche-Club Mitbegründer und Experimentalexperte Philipp Meiers aka. Scheich in China Platten aus seiner unerschöpflichen Sammlung auf. Until the night is gone.

Gaia

OFELAS / THE PATHFINDER

Norwegen 600 Jahre vor Christus: Aigin, ein junger Same kehrt von der Jagd zurück und findet seine Familie von den Tschuden ermordet und sein Dorf verbrannt. Der Junge rettet sich in ein Nachbardorf und bereitet mit drei Freunden und dem Schamanen seine Rache vor.

Der für den Oscar in der Kategorie ‚Bester Film aus dem Ausland‘ nominierte Film, 1987 veröffentlicht, beruht auf einer Sage, die der samisch-norwegische Regisseur Nils Gaup von seinem Großvater erzählt bekommen hat. Musikalisch begleitet wird der Film mit seiner beeindruckenden Naturkulisse und seinen kraftvollen Bildern von einem Ensemble aus Musiker*innen der nordischen Jazz- und samischen Musikszene, die hierfür einen eigenen Soundtrack entwickelt haben. Das Ensemble besteht aus dem Leiter Jakop Janssøn, einem norwegischen Schlagzeuger, Marja Mortensson, einer norwegischen Sängerin, die auch die traditionelle samische Gesangstechnik des Yoik, einem eintönigen, gutturalen Gesang, beherrscht. Vladislav Demin ist Violinist, Kristian Olstad spielt Guitarre und Magnus Wiik spielt Dobro, Mandoline und Banjo.

Dieses Filmkonzert ist eine Tromsø International Film Festival Produktion, unterstützt von BarentsKult und Kultur i Troms.

Gaia

MÄRCHENSTUNDE MIT RENATA STAHL - DIE KICK-ASSQUEEREEOKÉ

Es war einmal ... vor langer, langer Zeit eine schöne Prinzessin, die sollte bei The Voice mitmachen und scheiterte kläglich. Da sie sich vor dem gesamten Königreich blamierte, sollte ihr der Kopf abgetrennt werden. Und da geschah es, dass sie eine Horde schmerzbefreiter, schief singender Hipster-Homos aus ihrem Verließ befreite. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann nur, weil ihre Misstöne eine Art kugelsicheres Schutzschild um sie bilden. Ja, die Rede ist von KICK-ASS-QUEEREEOKÉ, eurer zauberhaften Karaoke Show mit Fairy Power and a lot of Bitchcraft Abracadabra, Singsang öffne dich für alle, die viel Wert auf unverkrampftes Feiern legen, denn hier hat jede*r drei Wünsche frei und dreaming is free! Die Prinzessin heißt übrigens Bernd und arbeitet an der Garderobe. Dresscode: Böse Stiefmutter trifft bösen Wolf (drag & furry).

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