KLEINE REICHE LÄNDER


Schweiz + Dänemark
Symposium:

In Zeiten, in denen Flüchtlingsströme überall in Europa die Strukturen verändert, existiert beinahe vergessen lediglich in Skandinavien und der Schweiz noch ein uraltes Gesetz. Das Allemannsretten besagt, dass jeder Mensch, frei von Herkunft und Rasse, überall in freier Landschaft sein Lager aufschlagen kann. Wie sieht aber der Umgang mit diesem libertinen Gesetz 2015 aus?
 
Klein, reich – Skandinavien und die Schweiz belegen Top Ten Plätze der reichsten Länder der Welt –  am Gemeinwohl orientiert – das gilt für die skandinavischen Länder ebenso wie für die Schweiz. Was sind die Schattenseiten dieser scheinbar mustergültigen Gesellschaften? Wer darf am Wohlstand partizipieren, wer wird ausgeschlossen? Künstler und Wissenschaftler aus Skandinavien und der Schweiz diskutieren.
 
Geographisch weit voneinander entfernt, scheint die Schweiz und Skandinavien zunächst mehr zu trennen als zu verbinden. Aber: Keines der Länder hat mehr als 10 Millionen Einwohner, alle belegen sie einen Platz in der Top Ten der reichsten Länder der Welt. Auch Gesellschaftsentwürfe und Mentalitäten offenbaren auffällige Ähnlichkeiten
 
 „Einer für alle, alle für einen“, heißt der Schweizer Wahlspruch, der Zusammenhalt und Gleichheit propagiert und auch die Grundlage für eine in hohem Maße partizipative Demokratie schafft. Er spiegelt sich im skandinavischen Jantelagen-Prinzip, das darauf abzielt, die Gleichstellung aller Bürger zu erreichen, auch um den Preis einer eingeschränkten Entfaltung des Einzelnen zum Wohle der Allgemeinheit. Dazu zählt auch das Jedermannsrecht, das man außer in Skandinavien und der Schweiz nur in Schottland kennt: Unabhängig von den Eigentumsverhältnissen darf jedermann die frei zugängliche Natur nutzen und genießen. Auch Gemütlichkeit, das Hyggelige, wird in allen vier Ländern geschätzt.
 
Die hygge mit der eigenen Sippe hat aber auch ihren Preis: Fremdenhass grassiert. Parteien, die versprechen, die Partizipation am Wohlstand auf das eigene Volk zu begrenzen, haben starken Zulauf. 2014 stimmte eine  knappe Mehrheit der Schweizer im Volksentscheid für eine drastische Verschärfung der Zuwanderungsgesetze. Im selben Jahr wurden im für seine Offenheit stets so gelobten Schweden die rechtspopulistischen „Schwedendemokraten“ nach einem Stimmenzuwachs von gut sieben Prozent drittstärkste Partei.
 
Wie ist diese Situation entstanden? Wie ist ihr zu begegnen? Künstler und Wissenschaftler diskutieren gemeinsam über Strategien zur Bekämpfung von Hass, Rassismus und Abschottung.

05.12., 17:00 Uhr (Bern)
Englisch/Deutsch

Panelteilnehmer:

u.a. mit dem dändischen Schriftsteller, Journalist und Professor für Kulturanalyse an der Humanistischen Fakultät der Süddänischen Universität Carsten Jensen. Er veröffentlichte eine Reihe von Romanen, Essays sowie Reiseberichten. Sein großer Durchbruch waren seine Reiseberichte Jeg har set verden begynde (I have seen the world begin) (1996) und Jeg har hørt et stjerneskud (I have heard a shooting star) (1997). Seine Romane Vi, de druknede (Wir Ertrunkenen, 2006) und Sidste rejse (Rasmussens letzte Reise, 2007) haben ihn zu einem der meist-gelesenen Autoren Dänemarks gemacht. Die Romane wurden in etlichen Ländern veröffentlicht.
Carsten Jensen wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Danske Bank’s Literaturpreis 2007, dem Olof Palme Preis 2010 und dem Søren Gyldendal Preis 2012.

Weitere:
Ariane Andereggen Ausbildung an der Hochschule der Künste in Bern und für Gestal-tung in Karlsruhe. Schauspielerin, Videokünstlerin, seit 2012 am Theater Basel.
Kijan Espahangizi Studium der Geschichte und Physik in Köln und Sevilla, seit 2010 Geschäftsführer des Zentrums "Geschichte des Wissens" der Universität Zürich
Prof. Dr. Klaus Müller-Wille Professor für Skandinavische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Skandinavische Romantik, Neoavantgarden, Theorien zu Schrift und Schreiben, Körpertheorie
Lucie Tuma Lucie Tuma Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen, Mitbegründerin des Duos Chuck Morris (2008), seit 2010 Koproduktionen mit Gessnerallee Zürich und weiteren europäischen Theaterhäusern und Festivals
Laura Stämmer arbeitet in der Flüchtlingshilfe in Basel und hat außerdem Skandinavistik studiert.