TRANSLATION


OLGA JITLINA / RUSSLAND

In TRANSLATION singen Opernsänger die Asylanträge von Flüchtlingen als Arien. Die Behauptung: Europäer können die große Fülle an Tragödien, Hoffnungen und Illusionen in dieser Form besser verstehen. Und das ist von existenzieller Bedeutung, denn die Überzeugungskraft des Asylantrags bestimmt über Bleiben oder Gehen.
 
Olga Jitlina arbeitet seit mehreren Jahren mit Migranten in Russland und Zentralasien zusammen, um utopische Szenarien einer nationalen Politik zu entwickeln. In ihrem neuen Projekt TRANSLATION geht Jitlina der Frage nach der Übersetzbarkeit von Biographien und Schicksalen nach.

Menschen, die sich um einen offiziellen Flüchtlingsstatus in Europa bewerben, müssen Interviews durchlaufen. Auf Basis der Gespräche wird die Entscheidung gefällt, ob ihr Antrag bewilligt wird oder nicht. Die Kriterien: eine wahrheitsgemäße Darstellung und ernsthafte Gründe, warum Schutz in Europa gewährt werden soll. Menschen, die nicht die Landessprache sprechen, wird ein Übersetzer zur Verfügung gestellt. Oftmals jedoch wechseln die Übersetzer im Laufe des Verfahrens, so dass die unterschiedlichen Übersetzer Details abweichend übersetzen, wodurch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Antragsstellers auftauchen können und der Antrag womöglich abgelehnt wird. Zahlreiche absurde Fragen wie „Haben Sie alles verstanden?“ und „Können Sie bestätigen, dass die Übersetzung korrekt ist?“ sind Teil des Protokolls.

Doch die Überführung von einer Wortsprache in die andere ist nicht die einzig mögliche Form von Übersetzung. Was wäre zum Beispiel eine angemessene Ausdrucksform, um die  Erfahrung von Hunger oder Bedrohung für jemanden zu übersetzen, der ihr niemals ausgesetzt war? Mit der Arie hat Olga Jitlina eine Form gewählt, die in der europäischen Hochkultur als klassisches Mittel gilt, überwältigende Erfahrungen zu vermitteln, die in einem bloßen Bericht nicht zu fassen sind.

 
THEATER PERFORMANCE
Uraufführung

02.12., 20:00 Uhr (Hamburg)
03.12., 20:00 Uhr (Hamburg)


Eine Produktion von Olga Jitlina und dem NORDWIND Festival.

Mitwirkende:
DIETRICH KUHLBRODT
ANAS BARDAN
 
Lampedusa Group in Hamburg Activists:
OWUSU  PATRICK
MICHEAL OLOKODANA
ESTHER OLOKODANA
ALI AHMED
YULIA AVERINA Soprano
KATERINA KAUSCH  Klavier

Photographs von ALEX DAVID, ANAS BARDAN, ALI AHMED
Video artist CARL-JOHN HOFFMANN