GERRO, MINOS AND HIM


ALOUN MARCHAL, ROGER REYNER, SIMON TANGUY / SCHWEDEN + FRANKREICH + SPANIEN

Drei Männer verbringen Zeit miteinander. Sie spielen miteinander und mit der leeren Bühne, sie versuchen sich mit ihren Körpern zurechtzufinden, mit dem Raum, mit den Anderen. Schaukämpfe enden in Brutalität, Zärtlichkeit kippt in Absurdität. Ein humorvoller und zugleich berührender Blick auf die Verwirrung angesichts der „neuen Männlichkeit“.
 

© Laurent Paillier

Marchal, Reyner und Tanguy bezeichnen ihre Arbeitsmethode als „Anarchie-Demokratie”: Jeder Beteiligte kämpft für sein eigenes künstlerisches Interesse, um die Zusammenarbeit voranzubringen. Großzügigkeit und Spontaneität sind die Voraussetzungen, kreative Reibung ist das Resultat.

Auf der Bühne wird dieser Prozess im Zusammenspiel der drei Tänzer sichtbar. Ohne Worte erzählt die Performance von der Komplexität jeglichen Miteinanders. Wer bin ich? Wer ist der Andere? Wo sind wir? Wohin soll unser Miteinander führen? Tastend erkunden sie ihre Körper und den Raum, lassen sich mitreißen von einem Strudel grotesker Tänze, Schreiorgien, Liebesszenen und chorischer Gesänge. Immer wieder geraten sie darüber in kleine Schaukämpfe nichtigen Ursprungs, die in der gesteigerten Boshaftigkeit und Genervtheit der Beteiligten kulminieren. Trotz allem folgt der praktische Versuch zur Frage: „Halten wir uns aneinander fest? Wenn ja, wie?“ Das Händchenhalten bleibt fragil.

Als ernstzunehmende Wesen sind die Männer dabei nahezu chancenlos: Sie tanzen die gesamte Performance „unten ohne“, nur mit T-Shirts bekleidet. Allerdings sind sie in ihrer Unbeholfenheit so sympathisch, dass das Publikum weniger über sie als mit ihnen lacht. Darüber hinaus stellt sich stets von Neuem die Frage, warum die Drei tun, was sie tun. Vielleicht sind es letzte Überreste archaischer Machtkämpfe, die das Publikum erleben darf, vielleicht ist es eine kindliche Freude an Übertretung und Kontrollverlust, vielleicht sind es vorsichtige Versuche, im Rahmen des Konstrukts „Männlichkeit“ Zärtlichkeit und Schwäche zu leben. Am Ende bleibt die Frage, ob Lesbarkeit überhaupt möglich ist. Deshalb Achtung: Der Applaus kommt womöglich im falschen Moment.
TANZ

Termine:
04.12., 21:30 Uhr (Berlin, Sophiensæle)
05.12., 21:30 Uhr (Berlin, Sophiensæle)

Choreographie und Tanz : Roger Sala Reyner, Simon Tanguy, Aloun Marchal
Licht : Pablo Fontdevila.
Künstlerische Berater: Katerina Bakatsaki, Benoît Lachambre, Igor Dobricic.

Produziert von Het Veem Theater Amsterdam
Koproduktion: zeitraumexit Mannheim, Musée de la danse /CCNRB

Mit freundlicher Unterstützung des Institut Français Amsterdam, Institut Néerlandais de Paris, Dansbyrån Gothenburg, Konstnärsnämnden/ Swedish Arts Grants Commitee.

Mit freundlicher Unterstützung des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation / DGCA.
Mit finanzieller Unterstützung von Spectacle Vivant en Bretagne.