PERSONAL SYMPHONIC MOMENT


ELINA PIRINEN / FINNLAND

Drei Frauen tanzen zu Dmitri Schostakowitschs 7., der „Leningrad“ Symphonie. Die Choreographie schwankt zwischen virtuosem Scheitern, erbarmungsloser Groteske und zarter Erhabenheit. Die Hommage wird damit gleichzeitig zur persönlichen Aneignung wie zur zeitlosen Studie der menschlichen Existenz.

Zu Beginn ist die Bühne abgedunkelt, der Zuschauerraum in zartes Pink getaucht. Das Publikum hört den ersten Satz der Symphonie, die Schostakowitsch im Sommer 1941 in Leningrad schrieb, während die Wehrmacht begann, die Stadt einzukesseln. Minutenlang wird ein banales Motiv wiederholt, ähnlich Ravels Boléro, bis die Musik nach einer Viertelstunde in einer gewaltigen Steigerung kulminiert. Drei Frauen schreiten in majestätischer Langsamkeit auf die Bühne, der Tanz beginnt.


by Timo Wright

Elina Pirinen bezeichnet ihr Stück als eine „Autopsie“ der Leningrad Symphonie. Gemeinsam mit zwei Tänzerinnen, einem Lichtdesigner und einer Autorin hat sie das Stück entlang der Musik choreographiert, nutzt die Räume, die der Klang eröffnet, zerstört sie aber auch. Die tänzerischen Sequenzen sind zunächst Erkundungen des Körpers, sie offenbaren Erstaunen und Momente des Gelingens ebenso wie das ganz banale Scheitern. Wo Pirouetten und Hebefiguren angedeutet werden, entstehen Trampeln und Sturz. Die Eleganz des Balletts dekonstruieren die Tänzerinnen zur Groteske: hier eine nachlässig entblößte Brust und ein Tritt ins nackte Hinterteil, dort ein gehüpfter Tanz mit heruntergelassener Hose. Sprechgesänge erzählen vom Missgeschick und verdoppeln es in ihrer eigenen musikalischen Schieflage. Konsequent wird die Inszenierung zur Auflösung getrieben, bis die Protagonistinnen schließlich auf dem verschmierten Boden kauern und sich der Raum in ein Spiel aus Licht und Nebel auflöst.

PERSONAL SYMPHONIC MOMENT ist ebenso persönlich wie universell. Die in gleichem Maße primitiven wie intellektuellen Momente von Erschütterung, Trost, Schönheit, Idiotie, Erotik, Scheitern, Mitleid, Banalität, Gefahr und Sentimentalität sind die subjektiven Antworten der Künstlerinnen auf ihr musikalisches Gegenüber, können aber ebensosehr als Spiegelbild der menschlichen Seele gelten.

 
TANZ
Dauer: 70 min.

Termine:
28.11.2015, 20:00 Uhr (Dresden)
02.12.2015, 20:00 Uhr (Hamburg)
05.12.2015, 20:00 Uhr (Bern)

Konzept, Choreographie: Elina Pirinen
Tanz: Kati Korosuo, Katja Sallinen, Elina Pirinen
Licht: Heikki Paasonen with the original design by Tomi Humalisto
Texte: Heidi Väätänen
Sound: Pauli Riikonen
Musik: Dmitri Shostakovich, Symphony No. 7 performed by Leningrad Philharmonic orchestra with conductor Mariss Jansons 1988
Kostüm: Elina Pirinen, Kaisa Rissanen, Mila Moisio

Produktion: Zodiak - Center for New Dance, Moving in November Festival, Elina Pirinen, Zodiak residency

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in Zusammenarbeit mit WorkspaceBrussels / Summer coaching residency, Kone Foundation, Finnish Cultural Institute for the Benelux

Unterstützt durch die Samuel Huber Stiftung, das finnische Kulturinstitut, Kone Stiftung, Helsinki Stadt und Arts Promotion Center Finnland.