
Letzten Mai lud Kristian Smeds elf großartige Künstler der litauischen Theaterszene zu einem 17-tägigen Playread-Prozessdokumentarfilm-Happening ein. Statt einer Bühnenaufführung sollte aus dem Nachdenken über die Kirschgartensituation ein Film entstehen. Die Proben und Dreharbeiten fanden auf einer Waldhütte mit umliegendem Garten unweit von Vilnius statt. Am letzten Drehtag regnete es in Strömen, und spätestens als der Bollywoodsound verstummte und Lopahim die wenigen geladenen Gäste aus seinem Gutshof hinausbefördert hatte, stand für jeden fest: der Prozess muss unbedingt weitergehen.
Zu Sowjetzeiten wurde das Theater zu einer Art Geheimsprache für die Litauer; auf der Bühne konnte man das Unausgesprochene verkleidet in Bilder und Worte fassen, ausatmen, Gedanken und Gefühle ausdrücken. Es entstand eine Theaterkunst, die zu Weltruhm gelangte und Zuschauer wie Kritiker überall auf der Welt begeisterte. In den zwanzig Jahren nach dem Mauerfall hat das Land dramatische politische und gesellschaftliche Änderungen durchlebt, die selbstverständlich auch den Kunstbereich stark beeinflusst haben. Wo steht das litauische Theater heute? Kurz vor dem Abholzen wie Tschechows Kirschgarten?
Mit Kristian Smeds, Audronis Liuga Eine Koproduktion von Audronis Liuga Productions und Smeds Ensemble.
